Zur Navigation

 

Tagebuch der Gedanken
leben und leben lassen

Donnerstag, den 3. September 2015

Jetzt wird es heikel. Eigentlich sollte das Thema Mindestlohn nicht erforderlich sein. Doch leider, leider denken viele, oder sind es sogar die meisten?, zuerst an ihren eigenen Geldbeutel bevor sie an die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen denken. Aber genau der Mindestlohn kann von "leben und leben lassen" nicht unbeleuchtet bleiben. Also ran an die Aufgabe.


Mindestlohn

 Mindestlohn im 21. Jahrhundert

Hurra sie haben es geschafft. Seit 11.08.2014 gibt es in Deutschland ein Gestz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz - MinMiLoG), mit einer Übergangsregelung bis 31.12.2014. Ab dann gilt für Jedermann/frau ein Stundenlohn von 8,50 Euro als Mindestlohn. Zeitungsausträger/inen bekommen erstmal 75% und ab 1. Januar 2016 bis zum 31.12.2016 sogar 85% des Mindestlons. Also wenn Du die Ehre hast, ausschließlich periodische Zeitungen oder Zeitschriften, sowie Anzeigenblättern mit redaktionellem Inhalt an Endkunden zuzustellen, kannst Du erst am Silvester 2016 den Sektkorken knallen lassen. Ob der Brutto-Mindestlohn von 8,50 Euro einen Sekt wert ist, ist eine andere Frage.

Um dieses Lohnkonstrukt festzulegen benötigte die Menschen unseres Landes von der Steinzeit bis zum 11.08.2014.

moralisch betrachtet ist es eine Schande, dass ein Gesetz zur Regelung eines Mindestlohns

 1. überhaupt für eine gerecht Entlohnung erforderlich ist.
 2. erst nach langem Gerangel, mit viel Wenn und Aber, gefasst werden konnte.

Ebenfalls ist die Höhe des Mindestlohnes von gerade mal 8,50 Euro je Zeitstunde eine ........ Warum?

Werden die Mindestlöhne und die Managergehälter (von Konzernchefs und Co) ausgeklammert, bleiben im wesentlichen die Lohngruppen der Fachkräfte und Handwerksgesellen übrig. In der Regel ist die Lohngestaltung von folgenden Lohn-Faktoren beeinflusst:

1. Nachfrage nach dem Berufsbild
2. Erfahrung der Arbeitskraft
3. Leistung der Arbeitskraft
4. Güte der Arbeit
5. Zusatzqualifikationen
6. Region in der die Arbeitsstelle liegt
7. Einfluss von Gewekschaften
8. Einfluss von Berufsverbände

Abhängig von den vorgenannte Faktoren verdienen z.B. ein Facharbeiter 12,50 bis 15,80 Euro bruto in der Stunde. Hier 3 Beispiele

 Bruttolohn in Euro pro

Monat 

Std. 

Bemerkung 

 Bäckergeselle

ca.

1900,- 

12,50 

Mittelwerte 

 Industriemechaniker

ca.

2555,- 

16,80 

Mittelwerte 

 Mechatroniker

ca.

2400,- 

15,80 

Mittelwerte 

 Bei 35 Std/Woche, entsprechend 152 Std/Monat sind das
 in diesem Beispiel 15,- Euro im Schnitt.

Ob Facharbeiter oder Handwerksgeselle für die Ausbildung müssen in der Regel 3,5 Jahre Ausbildungszeit investiert werden. In dieser Zeit verdient ein Azubi ca. 60.000.- Euro weniger als eine normale Arbeitskraft. Damit diese Investitionssumme sich bis ans Ende eines Berufslebens amortisiert, muss die ausgebildete Fachkraft, bei 35 Std. Arbeitszeit pro Woche, 45 Jahre lang 0,73 Euro pro Stunde mehr als eine ungelernte Arbeitskraft erhalten.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass einer ungelernten Arbeitskraft wenigstens einen Bruttolohn, der um 0,73 Euro unter der einer Fachkraft liegt, zugestanden werden sollte.

Um beim obigen Beispiel zu bleiben, ergäbe das rein rechnerisch zwischen 11,77 und 15,07 Euro. Allerdings hat diese Rechnung einen Schönheitsfehler. Zum einen konnten die vorgenannten Lohnfaktoren 1 bis 6 nicht in der Formel untergebracht werden, anderseits ist der Zinseszins der Ausbildungsinvestition unberücksichtigt. Unter diesen Gesichtspunkten sollte der Mindestlohn für eine Hilfskraft, wohlgemerkt unausgebildete Hilfskraft, wenigstens 11,77 Euro betragen.

2015 betrug der bundesweite Bruttostundenlohn, wie die internationale Wissensplattform lecturio.de u.a. übersichtlich dastellt 20,81 Euro. Also knapp 2,5 mal soviel wie der derzeitige Mindestlohn.

Spätestens jetzt ist jedem logisch denkenden Menschen klar, dass hier etwas faul ist. Das liegt aber nicht nur an dem zu niederen Mindestlohn. Es sind die fragwürdigen "Managergehälter" die der Statistik kräftig in die Suppe spucken.

Mehr zum Thema Managergehälter bei leben und leben lassen findest du unter: Höchstlohn


Ein Mindestlohn von 8,50 pro Stunde ist schlicht gesagt Ausbeutung und menschenunwürdig. Alle Argumente für diesen niederen Betrag sind aus dem Hut gezaubert und dienen ausschließlich um auf Kosten anderer Gewinne zu generieren. Ausreden wie: Hohe Mindestlöhne zerstören Arbeitsplätze sind Humbug und lassen sich widerlegen.

 

 

nach oben